ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Drechslerhaus: Politiker verhöhnen BürgerInnen

04 Jul

Das schöne Gründerzeithaus Linke Wienzeile 22 (Ecke Girardigasse), in dem sich das bekannte Café Drechsler befindet, wird völlig verunstaltet. Der Chef der Immobilienfirma, die das Haus gekauft hat, lässt das historische Satteldach des Gebäudes komplett wegreißen, um stattdessen ein Luxus-Penthouse aus Stahl, Glas und Beton zu bauen. Damit wird nicht nur das historische Erscheinungsbild des Hauses zerstört, sondern auch die gesamte Baulinie der Linken Wienzeile mit ihren weltberühmten Otto-Wagner-Bauten schwer beeinträchtigt.
Drechslerhaus

Obwohl das Haus in einer Schutzzone gelegen ist, erteilte die Wiener Bauoberbehörde die Genehmigung für diesen Irrsinn. Kein Wunder: Schließlich saß der Büro-Partner des Immobilien-Hais da drinnen – etwas später musste dieser Architekt dann allerdings wegen eines anderen Bauskandals derselben Firma zurücktreten. Die BewohnerInnen und AnrainerInnen jedoch wurden nicht über das Bauvorhaben informiert und konnten so keine Einsprüche geltend machen.
Aber auch die Bezirkspolitiker trugen ihr Scherflein bei: Die Bezirksvorsteherin weigerte sich, eine Anfrage der Grünen nach den Umbauplänen zu beantworten und behauptete wahrheitswidrig, diese Pläne wären ohnedies schon vorgelegt worden. Und auf der Homepage des Bezirkes ließ sie mit den folgenden Worten um Verständnis für die Spekulanten werben: „Der Standort gegenüber dem Naschmarkt ist sehr attraktiv, daher besteht der berechtigte Wunsch, die Immobilie ökonomisch auszuschöpfen.“
Die Grünen brachten daraufhin im Bezirksparlament einen Resolutionsantrag ein: Die Gemeinde Wien möge umgehend Verhandlungen mit dem Hausbesitzer aufnehmen, um auf eine verträgliche Abänderung des Umbauprojektes hinzuwirken, damit das Erscheinungsbild des Hauses erhalten bleibt. Die BezirksrätInnen von SPÖ und ÖVP zeigten daraufhin, wie viel ihnen der Schutz des Stadtbildes wert ist: Sie verweigerten dem Antrag ihre Unterstützung!

Die verzweifelten Proteste der AnrainerInnen gegen die Zerstörung einer der architektonisch sensibelsten Zonen des Bezirkes kommentierte die rote Bezirkskaiserin gegenüber der Zeitung „Der Standard“ mit eiskaltem Zynismus: „Es ist in diesem Fall alles rechtens – dass moderne Architektur nicht allen gefällt, ist aber zulässig.“ Und der Bezirks-Chef der Schwarzen legte im „Bezirksjournal“ noch ein Schäuferl Hohn nach: „Wenn den Mariahilfer Grünen ein Dachausbau nicht gefällt, organisieren sie einen Volksaufstand!“

Von „Dachausbau“ kann natürlich keine Rede sein: Die Vorarbeiten zum Totalabbruch des Daches haben bereits begonnen.

Richard Weihs


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