ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Naschmarkterneuerung 2010 bis 2015 – und danach?

02 Jul

Eine Generalsanierung der Infrastruktur des Naschmarkts ist sicherlich notwendig – aber auch zeitgemäße Innovationen wären gefragt: Erweiterungen, Radwege, mehr Raum für PassantInnen und Angebotsdifferenzierungen. Davon ist in der Planung aber nur sehr wenig zu sehen.

Naschmarkt
Immer mehr verdichten sich die Befürchtungen, dass sich der Naschmarkt zu einem frisch renovierten Historienland entwickeln könnte: Mit dreißig Museumscafés und unzähligen Souvenirshops, besetzt mit StandlerInnenstatisten, die viele bunte Sachen verkaufen, damit auch optimale Fotomotive vorgefunden werden. Dazwischen wälzen sich Touristenmassen in zu engen Gängen und lechzen nach Wasabinüssen und globalisierter Massenware.

Nun, so weit müsste es ja nicht kommen, wenn einige bereits vorhandene positive Tendenzen berücksichtigen würden. Die Menschen lieben den Bauernmarkt am Freitag und speziell am Samstag – deshalb gehört dieser auch ausgebaut: Es sollten mehr Standflächen angeboten werden! Und frische Bioware sollte auch unter der Woche verstärkt erhältlich sein.

Auch ansprechend gestaltete konsumfreie Verweilorte, z. B. in Form eines Marktplatzes im Bereich der Schleifmühlgasse und Parkbänken bei den Stiegenabgängen zur Rechten Wienzeile wären nachgefragt. Ersteres wurde auch vom Bezirk und den Grünen gefordert, aber von der hohen Magistratsabteilung jedesmal abschlägig beschieden. Eine durchgängige Flaniermeile mit Marktplatz ist damit in weite Ferne gerückt – Innovationen des öffentlichen Raumes sind anscheinend nicht gefragt.

Auch eine durchgehende Radwegverbindung entlang des Naschmarkts – seit Jahren von den Grünen gefordert – ist noch immer nicht in Sicht. Im Zug der Diskussion um die Naschmarkt-Tiefgarage wurde dieser in der Planung zwar als durchaus umsetzbar erachtet, kaum war die Tiefgarage jedoch von den AnrainerInnen und den Grünen verhindert worden, war auch der Radweg in den Tiefen des Wienflusses verschwunden.

Ein erneuertes Verkehrskonzept ist in der Planung derzeit nicht ersichtlich: Wo bleibt die Diskussion um 30 km-Zonen, Busspuren, Erweiterungszonen und Radstreifen? Lichtmasten werden wieder auf den Gehsteigen und nicht mit Grünumrandung auf der Parkspur aufgestellt. Damit werden weiterhin unattraktive verwaiste Flächen geschaffen, die keine Vorraussetzungen für einen Radfahrstreifen bieten.

Es gibt keine Machbarkeitsstudien zu einer Überplattung der freien U-Bahn-Trasse am Naschmarkt, um hier eine Erweiterung der Marktfläche durchzuführen. Stiegenabgänge zur Rechten Wienzeile werden nicht mit Rampen versehen, aber gleichzeitig wird ein angeblich barrierefreier Markt propagiert. Wenn die Planung mit Taubenfütterplätzen und überbreiten bemoosten Gehsteigen nichts anfangen kann, dann sollte vielleicht ein weiterer Mistplatz in dieser Zone überlegt werden.

Mit Krapfen verteilen, Kirtagen und ähnlichen Aktionen, die das Image des Naschmarktes aufzupolieren sollen, wird man nicht sehr weit kommen. Es müssen vielmehr all diese Fragen dringend in einem demokratischen Forum besprochen werden, damit ein lebendiges urbanes Zentrum auch zeitgemäß und ökologisch für die Zukunft erhalten werden kann. Deshalb wurde soeben auf meinen Antrag im Bezirksparlament die Gründung einer Marktkommission beschlossen.

Manfred Rakousky


top