ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Naschmarkt: Sehnsucht nach Geschichte und Zukunft

21 Jun

Den Naschmarkt stehen einige positive Veränderungen bevor, wie die Erneuerung von Infrastruktureinbauten (Kanal, Strom, Beleuchtung). Diese Gelegenheit wurde dazu benutzt um einen Diskussionsprozess einzuleiten, welcher sich den Themen Verkehr, Leitbild, Marketing und zukünftige Gestaltung widmet.

Natürlich spielen in diversen Arbeitskreisen auch Überlegungen zu Verbesserungen der Situation des öffentlichen Raumes eine wichtige Rolle und Defizite werden festgestellt, welche nach neuen Oberflächen, – und Nutzungskonzepten rufen.
Dem Naschmarkt stehen einige positive Veränderungen bevor, wie etwa die Erneuerung von Infrastruktur-Einbauten (Kanal, Strom, Beleuchtung). Diese Gelegenheit wurde dazu benutzt, um einen Diskussionsprozess einzuleiten, der sich den Themen Verkehr, Leitbild, Marketing und zukünftige Gestaltung widmet. Natürlich spielen in diversen Arbeitskreisen auch Überlegungen zu Verbesserungen der Situation des öffentlichen Raumes eine wichtige Rolle: Defizite wurden festgestellt, die nach neuen Oberflächen- und Nutzungskonzepten rufen.

Genau zu diesen Punkten haben wir aber schon ziemlich konkrete Vorstellungen, wie dieser umkämpfte öffentliche Raum des Marktgebietes zugunsten von FußgängerInnen und radelnden Personen verbessert werden könnte.

Prinzipiell sollten weitere Flächen für neue Standnutzungen, Kulturveranstaltungszonen und Ergänzungseinrichtungen erschlossen werden. Die Überplattung des derzeit freiliegenden U-Bahnabschnittes zwischen Pressgasse und Schleifmühlgasse würde nicht nur ein unansehnliches Loch verschwinden lassen, sondern auch Platz für neue Stände bieten und die Hinterhofseite des Naschmarkts deutlich attraktiver machen. Nichtgenutzte Gehsteige und Stiegen ohne Rampen würden dann der Vergangenheit angehören.

Eine weitere Barriere bildet die Schleifmühlgasse mit ihren Sperrgittern und den viel zu engen Gehwegen zwischen der Rechten und Linken Wienzeile, die eine Querung jedes Mal zu einem Spießrutenlauf geraten lassen. Warum kann man dieses Straßenstück eigentlich nicht dauerhaft sperren und in den Naschmarkt integrieren, ähnlich wie vor vielen Jahren die Faulmanngasse? Eine durchgängige Flaniermeile mit dem Dorf- und Kulturplatz Schleifmühlgasse ist sicherlich keine Utopie, sondern nur eine Frage der Rückeroberung des öffentlichen Raumes.

Es wäre eine absolute Notwendigkeit, diesen dann auch noch mit dem Fahrrad leicht und bequem erreichbar zu machen. Doch auf die Weiterführung des Wiental-Radweges zum Karlsplatz warten wir trotz positiver Beschlüsse der Bezirksvertretung schon sehr lange. Konfliktzonen bleiben somit weiterhin bestehen und werden keiner Lösung zugeführt.

Anstatt für diese Defizite ein rasches Planungskonzept zu erstellen, da ja Handlungsbedarf besteht, will die KonsumentInnenschutz-Stadträtin Sandra Frauenberger nun ein neues Wiener Marktkonzept erstellen, und zwar mit Hilfe eines interfraktionellen Arbeitskreises, in dem auch die Naschmarkt-Agenden behandelt werden sollen. In ihrer Medieninformation vom 8. Mai „Neues Marktkonzept für Wien – Frauenberger will Wiener Märkte als Marke etablieren“ ist folgendes nachzulesen:

„Frauenberger erteilte in diesem Zusammenhang auch jenen „wildwüchsigen“ und unkoordinierten Ausbauplänen des Naschmarktes, die immer wieder kolportiert werden, eine klare Absage. Überdachungen, Überplattungen und ähnliches seien nicht nur illusionistisch und nicht finanzierbar, sondern auch bar jeder Vernunft. Abgesehen von denkmalschützerischen Aspekten müsse das Flair gerade dieses einzigartigen Marktes auch erhalten bleiben, so Frauenberger. Grundlage für das neue Wiener Marktkonzept und hier speziell für den Naschmarkt wird übrigens auch das Ergebnis des StandlerInnen – Beteiligungsverfahrens sein.“

Da sind wir jetzt aber schon sehr gespannt, wie die Frau Stadträtin Ideen und Vorschläge des Mariahilfer Naschmarkt-Beteiligungsverfahrens integrieren wird, nachdem sie diesen bereits im Vorfeld eine klare Absage erteilt hat.

Aber vielleicht gelingt es ihr ja, einmal jene seltenen Augenblicke wahrzunehmen, wenn die Linke Wienzeile wegen einer Demonstration oder eines Unfalles zufällig einmal gesperrt ist. Blitzschnell nehmen da die Passanten die Strasse in Besitz um darauf zu promenieren. In solchen Momenten erinnert sich der Naschmarkt wieder an jene Zeiten, in denen die Wienzeile noch als Boulevard geplant und Urbanität sowie Stadtarchitektur noch nicht von Autokolonnen und Abgasen geprägt war. Da beginnt er langsam durchzuatmen, befreit vom viel zu engen Korsett der alltäglich sich dahin windenden Blechschlangen.

Eine Vorstellung von der Aneignung des öffentlichen Raumes liefert das erste Naschmarktfest, bei dem sich der Markt nicht nur als Konsum-, sondern auch als Kulturschauplatz präsentieren wird. In Kombination mit dem dreitägigen Straßenfest in der Schleifmühlgasse zeigt sich dieses Gebiet als Großkulturraum, in dem sich die Kreativität des Viertels manifestiert.
Klubobmann Manfred Rakousky


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