ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Naschmarkt-Garage: Ein Nachruf

04 Jul

Der Stoff für eine Horrorstory: Bezirksvorsteherin küsst längst begrabenen Garagen-Zombie wieder wach – und geht damit baden…

Rückblende

15. Dezember 2005. Kurz nach gewonnener Wahl exhumiert die Mariahilfer SP-Vorsteherin im Bezirksparlament einen seltsam riechenden Zombie: Die Großgarage unter dem Naschmarkt. Als willige Totengräber mit dabei: VP und FP. Die Einwände der Grünen werden ignoriert und überstimmt.

Am nächsten Morgen schicke ich eine Mail-Aussendung an die Presse. Inhalt: Die Garage würde mit ihren Rampen, Liftschächten und Entlüftungen den Markt schwer beeinträchtigen, Bedarf sei keiner gegeben, das Verkehrsaufkommen würde jedoch erhöht werden. Die SP ist überrumpelt und reagiert erst zu Mittag auf die zahlreichen Anfragen: „Die Bauarbeiten würden an der Oberfläche kaum zu bemerken sein…“

Das Medienecho ist stark und überwiegend negativ. Die Grünen schieben eine Pressekonferenz am Naschmarkt nach, die SP gerät in die Defensive und wirft unterirdische Kühlräume und Klos ins Gefecht. FP-Haudegen Harald Vilimsky schlägt sich bedingungslos auf die Seite der roten Vorsteherin und reitet wilde Attacken gegen die Grünen.

Das Monster taucht auf

Drei Jahre vergehen. Immer wieder stelle ich Anfragen, immer wieder warne ich in unserer Zeitung vor der Garage. Schließlich wird ruchbar, dass es ein Projekt der Firma WIPARK gibt – auf Betreiben unseres Klubvorsitzenden Manfred Rakousky wird dieses am 24.11.2008 der Mobilitätskommission präsentiert. Unsere schlimmsten Befürchtungen werden noch übertroffen: Diese Garage wäre der Tod des Naschmarkts.

Für den nächsten Tag hat Rüdiger Maresch in Abstimmung mit den vier betroffenen Bezirksgruppen am Naschmarkt eine Pressekonferenz anberaumt. Der VP-Obmann tobt wegen des „Geheimnisverrates“, die Vorsteherin ergreift die Flucht nach vorne und geht selbst mit dem Projekt an die Öffentlichkeit. Auf unserer gut besuchten Veranstaltung weist Rüdiger dezidiert auf die Hochwasser-Gefahr hin: „Die Stadt Wien gefährdet Menschenleben!“

Die Vorsteherin kontert flugs: „Gefahr besteht sicher zu keinem Zeitpunkt.“ Ich alarmiere meine Nachbarin Eva Deissen, die winselt in ihrer „heute“- Kolumne um „Gnade für den Naschmarkt“. Wir schicken unsere Zeitung mit dem Aufmacher „Eine Horrorvision!“ an alle Mariahilfer Haushalte. Die VP wirft uns „Panikmache“ vor, die Vorsteherin lockt mit Radweg und günstigen Garagentarifen für Anrainer.

Inzwischen bündeln wir unsere Kräfte: Bezirksgruppen und Rathausklub erarbeiten unter Anleitung von Niki Kunrath in mehreren Treffen einen Schlachtplan. Flugblätter und Unterschriftenlisten werden gedruckt, ein Logo für Pickerl und Luftballons wird kreiert, eine Info-Veranstaltung vorbereitet, die Einladung dazu geht an 35 000 Haushalte in den angrenzenden Bezirken, eine Homepage mit Online-Petition wird eingerichtet und ich beginne mit der Organisation eines Promi-Komitees.

Blattschuss

Der von uns erzeugte Druck zeigt Wirkung: Die Vorsteherin kommt ins Schwimmen und beginnt heftig zurückzurudern – noch sei ja nichts entschieden. Und Umweltstadträtin Sima gibt eine rathausinterne Studie über die Hochwassergefährdung in Auftrag. Damit ist klar: Die SP sucht bereits nach einem Notausgang. Nur der unsägliche Stadtrat Schicker betoniert sich ein: „Ich stehe voll hinter dem Projekt und forciere es!“

Ich bringe einen Resolutionsantrag für eine Bürgerbefragung ein, der mehrheitlich angenommen wird – auch mit den Stimmen einiger SP-Bezirksräte. Die Vorsteherin droht mir mit einer Verleumdungsklage; als ich den Einschüchterungsversuch publik mache, dementiert sie ihn und bezeichnet mich im Bezirksjournal als „armen, oft von grenzenlosem Hass getriebenen Teufel“. Was haben wir gelacht…

Unser erstes Standl am Naschmarkt ist ein Riesenerfolg, alle Zeitungen berichten. Und in der Nacht vor unserer Veranstaltung im Spektakel setze ich meinen Kulturverteiler zum ersten Mal politisch ein – der Aufruf des Promi-Komitees geht an 10 000 Mail-Adressen. Über 50 Personen nehmen darin gegen die Garage Stellung, von Franzobel und Josef Hader bis Erika Pluhar und Robert Menasse.

Den nächsten Tag verbringe ich vorm Computer: Ständig kommen Mails, in den Foren brummt es nur so, die Online-Petition explodiert förmlich. Bis dann am Nachmittag der Anruf von Niki kommt: Die SP hat das Projekt abgeblasen – aus „technischen Gründen“, eh klar. Die Info-Veranstaltung am Abend gerät dann etwas kürzer als geplant – gefeiert haben wir dafür umso länger…

Richard Weihs

Und so war’s geplant:
Garagenplanung am Naschmarkt


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