ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Karl Siegl Mia stön kan Bam auf! Eine realsatirische Farce für zwei Mariahilflose und acht Emmas (MA = kurz für Magistratsabteilung) in einem kurzen Akt.

07 Feb

Hier ein Dramolett des Raumplaners Karl Siegl aus den frühen 80er-Jahren. Er erschien erstmals in der von Richard Weihs herausgegebenen Bezirkszeitung der Alternativen Liste Mariahilf „maria-hilf-los?“. Das Minidrama ist im von Manfred Chobot und Gerald Jatzek herausgegebenen Buch „Schmäh ohne, aber echt – Wiener Satire und Humor aus 100 Jahren“ abgedruckt (Edition Mokka, ISBN 978-3-902693-27-3).

Karl Siegl

Mia stön kan Bam auf!

Eine realsatirische Farce für zwei Mariahilflose und acht Emmas (MA = kurz für Magistratsabteilung) in einem kurzen Akt.

Ort der Handlung: Kreuzung Mollardgasse-Grabnergasse.

Zeit: Ein frostiger Jänner-Nachmittag in den frühen Achtziger-Jahren.

Vorgeschichte: Zwei Mariahilflose bitten diverse Bezirkspolitiker, vor ihrem Wohnhaus, wo sich genug Platz und zum damaligen Zeitpunkt auch eine Riesenbaustelle befindet, Baumpflanzungen durchzuführen. Es kommt zu einer »Ortsverhandlung«.

Vorhang auf: Es treten auf die zwei Mariahilflosen mit Kinderwagen und dem dazugehörigen Kleinkind. Nach längerem ungeduldigem Warten erscheinen aus verschiedenen Richtungen sieben Emmas. Diese gruppieren sich, ohne die zwei Mariahilflosen zu beachten, kreisförmig um eine forsch auftretende Oberemma.

Oberemma: »No, meine Herren, samma olle do?«
Emmas (reihum): »Jowoi«, »Anwesend«, etc.
4. Emma: »Zah aun, koid is!«
1. Mariahilfloser: »Bitte …«
Oberemma: »Ah, do schau her, unsare zwa Hüflosn san aa do! No, daunn tamma weida, daß in Buzi nix ogfriat, liab is, gö?«
1. Emma: »Oisa, i faung aun: Unsa Kabl is zwa-sechzg vom drübern Gehsteig.«
2. Emma: »Unsa Röhrl is drei-zwanzg von da Hauskantn.«
3. Emma (stößt seinen Nachbarn mit dem Ellbogen an und sagt grinsend): »Da Kanäu is in da Mittn!«
4. Emma: »Postkabel ans-fuffzg vo da Mittn, vierzich tiaf.«
2. Mariahilfloser (will sich durch den dichten Ring um die Oberemma drängen): »Eine Frage.«
Oberemma: »Sie, jetzt woatns, mia sans no net.«
5. Emma: »Kablfernsehen verleg ma grod, ochtzig von da Hausmauer.«
6. Emma: »I hob eh an Plan, do schauts!«
(Alle beugen sich interessiert über den Plan)
7. Emma: »Na hallo, i woa jo no net. Unsa Schleichal rennt genau vo do bis duat umme zu dem großn Hundstrimmal.«
(Alle Emmas lachen herzlich)
Oberemma: »Oisa, jetzt Spaß beiseite, wia i siech, geht do eh nix, vüzvü Kabln und Röhrln, do paßt ka Bam mea eine, dea haut uns jo ois zsaumm.«
1. Mariahilfloser: »Ja, aber wenn …«
Oberemma: »Sie, die Vahaundlung is geschlossn, do is leida nix zum mochn. Jo und des Buzi hot jo scho a gaunz a rode Nosn, oba liab is, gö.« (Nimmt den Kleinen an der Nase)
»So, meine Herrn, danke fürs Erscheinen, a Obschrift vo da Vahaundlung kriagts eh zuagschickt, an schen Oabeitstog no.«
(Lacht in sich hinein und geht ab, auch die anderen Emmas zerstreuen sich langsam)
5. Emma (zur 3. Emma): »Pepi, gehst mit auf an Glühfix?«
3. Emma: »Kloa, des is genau des, wos i jetz brauch.«

(Beide ab, übrig bleiben die beiden Mariahilflosen, die den Abgehenden entgeistert nachblicken, sich dann aber, nachdem das Baby vor Kälte bereits zu brüllen begonnen hat, ebenfalls langsam entfernen …)

Epilog:
Eine Baumpflanzung ist auch bei zu dichten Kabel- bzw. Rohreinbauten durch Installierung eines sogenannten »Überschubrohres« über die betreffende Leitung problemlos möglich. Dies erhöht die Kosten gegenüber einer normalen Baumpflanzung um zehn bis zwanzig Prozent.

Vorhang fällt.


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