ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Hundert Gründe, warum Blech einfach wichtiger ist als Menschen

04 Jul

Kürzlich wurde in einer Sitzung der Mariahilfer Mobilitätskommission ein grüner Antrag aufs Heftigste diskutiert, der den BewohnerInnen an Linker Wienzeile und Gürtel in unserem Bezirk zumindest ein wenig mehr Ruhe bringen sollte.

Besagter Antrag fordert zwischen Mitternacht und 5 Uhr Früh eine Reduktion der Geschwindigkeit auf Gürtel und Wienzeile – diese sollte maximal 30 km/h betragen. Denn langsamere Autos sind bekanntlich leisere Autos! Auch wenn diese Maßnahme nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre, so könnten die AnrainerInnen dadurch zumindest ein wenig lärmentlastet werden.

Was da nun an Ausflüchten und Scheinargumenten aufgetischt wurde, war unüberbietbar. „Nicht durchführbar!“, so hieß es von Seiten der zuständigen Magistratsabteilungen. Und außerdem – so fügte der anwesende Magistratsbeamte beinahe triumphierend hinzu – müsste man dann ja das Einhalten der Höchstgeschwindigkeit auf den betreffenden Strecken auch kontrollieren! Beunruhigend zu wissen, dass in dieser Stadt die Überprüfung von Geschwindigkeits-Begrenzungen scheinbar für zu aufwändig erachtet wird.

Die FP warf uns ein Vorgehen nach dem Florianiprinzip vor, da ja nicht die gesamte Wienzeile betroffen wäre und riet uns, solche Anliegen doch dem Gemeinderat zu überlassen. Wir aber glauben an eine Vorbildwirkung und sind überzeugt davon, dass sich die anderen Bezirke anschließen werden, wenn sich unsere Vorgehensweise bewährt. Die VP stieß ins selbe Horn. Deren Obmann merkte noch süffisant an, dass ja niemand gezwungen sei, sich dort anzusiedeln – und außerdem würde der Lärm ja ohnehin eine Reduktion der Miete mit sich bringen! Für die betroffenen BewohnerInnen muss das wie aufgelegter Hohn klingen.

Sogar heimtückische giftgrüne Konspiration wurden uns im Laufe der Sitzung unterstellt: Es wisse doch ein jeder, dass es das erklärte Ziel der Grünen sei, sämtliche Autos von diesem Planeten zu verbannen. Und unser bescheidener Ansatz, geplagten AnrainerInnen zumindest einen Hauch von Nachtruhe zu ermöglichen, wäre klarerweise ein erster, unwiderruflicher Schritt in eine düstere autolose Zukunft…

Im Gegensatz zu uns ließen sich die MandatarInnen der SPÖ von all diesen Pseudoargumenten und Ausreden überzeugen. Und wir stießen auf größtes Unverständnis, als wir uns dem hartnäckigen Drängen der roten Vorsitzenden widersetzten, unseren Antrag zurückzuziehen. Aber so leicht geben wir nicht auf: Irgendwann wird dann vielleicht auch völlig verstockten „Volksvertretern“ klar, dass Menschen wichtiger sind als Blech!

Susanne Pircher


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