ECHT GRÜN
Die Mariahilfer Alternative

Vergangenheit und Zukunft

04 Jul

Das Mariahilfer Gedenkprojekt „Erinnern für die Zukunft“ ist abgeschlossen. Aber manche Politiker haben leider auch diesmal nichts dazugelernt – ganz im Gegenteil!

Im Rahmen dieses Projektes haben wir unter anderem in Gesprächen mit ZeitzeugInnen erschütternde Berichte über entsetzliche Vorfälle gehört, die sich unter der Schreckensherrschaft des menschenverachtenden NS-Mörderregimes ereignet haben. Manches davon war sogar für einigermaßen abgebrühte Zuhörer nur schwer erträglich.

Absolut unerträglich waren jedoch die Ausführungen des Klubobmanns  der Mariahilfer FP – einer Partei, aus der ja mit unschöner Regelmäßigkeit höchst ungustiöse braune Rülpser ertönen. Der schmissverzierte Bundesheeroffizier im Ruhestand gewährte bei einer Diskussion über unser Erinnerungsprojekt tiefe Einblicke in die Abgründe seiner Geschichtsauffassung.

Er erklärte allen Ernstes, „im Jahr 1937 hätten jüdische Organisationen unter der Führung des Oberrabbiners von New York dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Und deshalb brauche man sich gar nicht darüber wundern, dass im Dritten Reich Leute jüdischer Abstammung als Kriegsgegner betrachtet und auch als solche behandelt wurden.“ Derartiger niederträchtiger Schwachsinn findet sich übrigens auch auf einschlägigen Neonazi-Webseiten…

Wer aus der Geschichte nichts lernt, der ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen. Also verwundert es auch nicht weiter, dass eben dieser Politiker sich gegen die Erneuerung kaputter Spielgeräte in einer Mariahilfer Parkanlage ausgesprochen hat. Begründung: Die Geräte würden eh nur von ausländischen Kindern ruiniert – und diese würden österreichische Kinder angeblich mit rassistischen Sprüchen wie „Blonde raus!“ vertreiben. Wer’s glaubt…

Sicher ist jedoch, dass durch die ständigen Hetzkampagnen der FPÖ das politische Klima in unserem Land nachhaltig vergiftet und die Hemmschwelle immer weiter gesenkt wird. Natürlich noch lange kein Vergleich zur Nazizeit, aber doch schlimm genug: Es ist gar nicht lange her, dass ich über die Gegensprechanlage meines Wohnhauses als „Judensau“ beschimpft und mit dem Erschießen bedroht wurde.

Aber auch Politiker andrer Parteien haben leider noch immer nichts aus der Vergangenheit gelernt: Wie wäre es sonst zu erklären, dass sie einen bekennenden Rechtsextremisten in eines der höchsten Ämter dieser Republik gewählt haben? Wenn so etwas  in unserem Land nicht mehr möglich wäre, dann könnten wir wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken.

Richard Weihs


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